Julius — der kleine Helfer in der Narbentherapie

Julius klärt auf

Verbrennungen und Verbrühungen

Mit etwa zwei Quadratmetern Fläche ist die Haut das größte Organ des menschlichen Körpers. Sie erfüllt wichtige Aufgaben, reguliert den Wärmehaushalt, schützt den Organismus vor dem Eindringen von Krankheitserregern oder vor Verletzungen. Eine Schädigung der Haut kann daher ernste gesundheitliche Folgen haben und im Extremfall sogar lebensbedrohlich sein. Solche Schäden können durch thermische (z.B. heißes Wasser oder Getränk), chemische (z.B. Säure bei Arbeitsunfällen) und physikalische Einwirkungen (z.B. Schnittverletzungen oder Operationen) entstehen. Besonders gefährlich sind alle großflächigen Verletzungen der Haut. Hier stehen Verbrennungen und Verbrühungen im Vordergrund, denn diese betreffen oft große Bereiche des Körpers und können selbst tiefe Hautschichten schädigen.

In Deutschland erleiden pro Jahr 12.000 Menschen schwere Brandverletzungen, darunter etwa 7.000 Kinder. Bis zu 1.400 müssen in Spezialkliniken intensivmedizinisch versorgt werden. Auf 100.000 Einwohner gerechnet, sind leichte und kleinere Verbrennungen mit ca. 600 Fällen pro Jahr relativ häufig, schwere Verbrennungen dagegen mit ca. zwei bis fünf Fällen eher selten. Häufigste Ursachen für Verbrennungen sind Haushalts- bzw. Freizeitunfälle (60 bis 75 Prozent) und Arbeitsunfälle (20 bis 30 Prozent).

Schon eine Tasse Tee reicht aus

Im Säuglings- und Kleinkindalter machen Verbrennungen und Verbrühungen fünf Prozent aller Verletzungen aus. Insbesondere Kleinkinder sind betroffen, wenn sie den Haushalt erkunden und dabei Töpfe mit heißer Flüssigkeit vom Herd ziehen. So treten auch die meisten thermischen Verletzungen bei Kindern im Kopf-, Hand- und Thoraxbereich auf. Heißes Wasser über 50 °C schädigt die Haut eines Kindes bereits so sehr, dass Brandblasen entstehen. Und schon der Inhalt einer heißen Tasse Tee reicht aus, die Körperoberfläche eines Kleinkindes um bis zu 30 Prozent zu verbrühen. Die Höhe der Temperatur, die Dauer der Hitzeeinwirkung, die Leitfähigkeit des Gewebes sowie die Art der Erste-Hilfe-Maßnahmen beeinflussen das Ausmaß der Verbrennung oder Verbrühung. Der Grad einer thermischen Verletzung wird nach der Größe der verbrannten bzw. verbrühten Oberfläche und der Tiefe der Schädigung bestimmt.

Wie Narben entstehen – und was dagegen hilft

Die Wundheilung nach einer Verbrennung oder Verbrühung verläuft nach dem gleichen Prinzip wie bei anderen Hautverletzungen. Oberflächliche thermische Verletzungen ersten und zweiten Grades (IIa) heilen in der Regel ohne Narben innerhalb von 14 Tagen ab. Bei tieferen Verletzungen der Haut ist diese narbenfreie Spontanheilung nicht mehr möglich, da hier die Schicht der Zellneubildung zerstört ist. In diesem Fall versucht der Körper, den Hautdefekt vom Wundrand her zu schließen. Dazu bildet er neues Gewebe, das sogenannte Granulationsgewebe. Ist die Wunde geschlossen, setzt nach drei bis vier Wochen oft ein „Überwuchern“ der Wunde ein. Die Bindegewebsstränge verdichten und verhärten sich und schrumpfen schließlich – eine Narbe hat sich gebildet.

Verläuft das Wachstum der Bindegewebszellen ungeordnet, können auch hypertrophe (wuchernde) Narben und Keloide entstehen. Solche Narben sind nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern können durch die Verdickungen und Verhärtungen zu Bewegungseinschränkungen, Gelenkfehlstellungen und schlimmstenfalls zur Unbeweglichkeit (Immobilität) ganzer Gliedmaßen führen. Darüber hinaus leiden die Betroffenen häufig unter Missempfindungen und Juckreiz. Die Umwandlung des Narbengewebes – die sogenannte Narbenreife – kann mit der richtigen Therapie bis zu zwei Jahre nach dem Wundverschluss andauern. Für eine möglichst ästhetische Abheilung der Narben ohne funktionelle Einschränkungen ist ein gleichmäßiger Druck auf die betroffenen Körperstellen erforderlich. Dieser ist nur durch die sogenannte Kompressionstherapie zu erzielen.

Verlauf der Narbentherapie

Weitere Informationen zur Narbentherapie, wie sie abläuft und welche
Rolle die Kompressionsbekleidung dabei spielt, stehen im Bereich
„Julius klärt auf".

Julius erklärt

Tiefengrade bei Verbrennungen

Grad I
Rötung und Schwellung der Haut. Das passiert z. B. bei einem Sonnenbrand.

Grad IIa
Rötung und Schwellung der Haut, Blasenbildung, Schmerzen. Die Oberhaut ist geschädigt und hebt sich als dünnwandige Blase ab. Solch eine Verletzung heilt meist innerhalb von zwei Wochen ab.

Grad IIb
Weißliche Blässe und Schwellung der Haut, Blasenbildung, Schmerzen. Die Haut ist bis in tiefe Schichten der Lederhaut geschädigt. Hier ist oft schon eine Operation notwendig.

Grad III
Lederartige Hautgebiete, weiß, grau oder schwarz verfärbt, reduzierte Schmerzen durch Zerstörung der Nervenenden, komplette Zerstörung der Oberhaut und Lederhaut (Nekrosen) und Schädigung der Unterhaut. Eine Operation ist notwendig.

Das kleine Narben-Einmaleins

Ganz schön viele Fachbegriffe,
nicht wahr?
Hier sind die wichtigsten Begriffe noch einmal erklärt:

Narbe
Die Narbe stellt den ausgeheilten Zustand einer Hautverletzung dar. Narbiges Bindegewebe ist zunächst rot, wenig elastisch und kaum belastbar. Im Verlauf der Narbenreife sind Schrumpfungen und Verhärtungen möglich.

Narbenhypertrophie
Durch eine übermäßige Ausschüttung von Kollagenfasern wird das Bindegewebe unregelmäßig angelegt und wuchert im ursprünglichen Wundbereich.

Keloid
Keloide sind unkontrollierte, starke Bindegewebswucherungen, die sich über das Wundareal bis in die gesunde Haut erstrecken. Durch die Einschränkungen der Hautdehnbarkeit können sogar Gelenke versteifen.

Atrophische Narbe
So nennt man eine eingesunkene Narbe, die bei schlecht heilenden Wunden entsteht. In diesem Fall werden ungenügend Bindegewebsfasern gebildet.

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